Wer im Dart wirklich besser werden will, muss alle drei Facetten des Spiels beherrschen: präzises Treffen hoher Zahlen, sicheres Doppelspiel und das gezielte Ansteuern der wichtigsten Segmente unter Druck. Die JDC Challenge kombiniert all das in einer einzigen, klar strukturierten Trainingseinheit – und liefert dir am Ende eine ehrliche Bewertung deines aktuellen Levels, ausgedrückt in einer Shirt-Farbe von Weiß bis Schwarz. Was als Jugendprogramm der Junior Darts Corporation begann, ist heute eines der beliebtesten Trainingstools der Dartwelt – von Anfängern bis hin zu PDC-Profis.

Was ist die Junior Darts Corporation (JDC)?
Hinter der JDC Challenge steckt die Junior Darts Corporation, kurz JDC. Gegründet wurde die Organisation 2014 von Steve Brown, einem ehemaligen PDC-Tourcard-Inhaber. Browns Motivation war persönlicher Natur: Er suchte für seinen Sohn einen geeigneten Ort, um Dart zu lernen – abseits der typischen Kneipenatmosphäre, in der der Sport traditionell zu Hause ist. Daraus entstand die Idee, eine strukturierte Jugendorganisation aufzubauen, die Talenten zwischen 10 und 18 Jahren eine professionelle Entwicklungsumgebung bietet.
Die JDC organisiert eigene Turniere, führt eine eigene Jugendrangliste und betreibt Dart-Akademien im ganzen Land. Höhepunkt des Jahres ist die JDC-Weltmeisterschaft, deren Finale traditionell als Teil der PDC-Weltmeisterschaft im Alexandra Palace in London stattfindet – der bekanntesten Dart-Arena der Welt.
Um den Entwicklungsstand ihrer jungen Spieler zu messen, entwickelte die JDC ein standardisiertes Bewertungsprogramm: die JDC Challenge. Sie sollte zeigen, wo ein Spieler steht – nicht durch Siege oder Niederlagen, sondern durch einen objektiven Score. Dieses System hat sich seither weit über die JDC-Akademien hinaus verbreitet.
Überblick: Wie ist die JDC Challenge aufgebaut?
Die JDC Challenge besteht aus drei aufeinanderfolgenden Teilen, die immer in dieser Reihenfolge gespielt werden:
| Teil | Name | Zielfelder | Darts |
|---|---|---|---|
| 1 | Shanghai 10–15 | Zahlen 10, 11, 12, 13, 14, 15 | 3 pro Zahl (18 gesamt) |
| 2 | Doubles 1–20 + Bull | D1–D20, dann Bull | 1 pro Feld (21 gesamt) |
| 3 | Shanghai 15–20 | Zahlen 15, 16, 17, 18, 19, 20 | 3 pro Zahl (18 gesamt) |
Du benötigst: ein Standard-Dartboard, drei Darts, eine Scorecard (oder eine Dart-App mit JDC-Challenge-Modus). Die gesamte Challenge dauert etwa 25 Minuten und kann solo oder mit mehreren Spielern absolviert werden – wobei jeder seine eigene Runde spielt und die Scores am Ende verglichen werden.
Teil 1: Shanghai 10–15
Der erste Teil führt dich durch die Zahlen 10 bis 15 in aufsteigender Reihenfolge. Für jede Zahl hast du drei Darts. Es zählt jeder Dart, der irgendwo in der Zielzahl landet – also im Single-, Double- oder Triple-Ring der entsprechenden Zahl.
Wie wird in Teil 1 gewertet?
Jeder Treffer zählt mit seinem Nennwert:
- Single-Treffer = Zahl (z.B. Single 13 = 13 Punkte)
- Double-Treffer = 2 × Zahl (z.B. Double 13 = 26 Punkte)
- Triple-Treffer = 3 × Zahl (z.B. Triple 13 = 39 Punkte)
Darts, die komplett danebenfliegen oder eine andere Zahl treffen, zählen nicht.
Der Shanghai-Bonus: +100 Punkte
Das besondere Highlight dieses Teils ist der Shanghai-Bonus: Gelingt es dir, mit deinen drei Darts in einem einzigen Besuch das Single-, Double- UND Triple-Feld derselben Zahl zu treffen – in beliebiger Reihenfolge –, hast du ein Shanghai gespielt und erhältst 100 Bonuspunkte zusätzlich zu deinen normalen Punkten.
Beispiel: Shanghai auf der 15
Du triffst Single 15 (15 Punkte), Double 15 (30 Punkte) und Triple 15 (45 Punkte). Das ergibt 90 Punkte Nennwert + 100 Shanghai-Bonus = 190 Punkte in einem einzigen Besuch.
Beispiel ohne Shanghai
Du triffst Triple 13 (39 Punkte) und Single 13 (13 Punkte), der dritte Dart landet auf der 6. Das ergibt 52 Punkte – kein Bonus, weil kein Double-13-Treffer.
Maximalscore in Teil 1
| Zahl | S+D+T Summe | + Bonus | Max. Punkte |
|---|---|---|---|
| 10 | 60 | +100 | 160 |
| 11 | 66 | +100 | 166 |
| 12 | 72 | +100 | 172 |
| 13 | 78 | +100 | 178 |
| 14 | 84 | +100 | 184 |
| 15 | 90 | +100 | 190 |
| Gesamt | 1.050 |
Teil 2: Doubles 1–20 + Bull
Der zweite Teil der JDC Challenge fokussiert ausschließlich auf Doppelfelder. Du wirfst der Reihe nach auf Double 1 bis Double 20, anschließend einen letzten Dart auf das Bullseye – insgesamt 21 einzelne Darts. Anders als in den Shanghai-Runden hast du hier nur einen einzigen Dart pro Feld.
Wie wird in Teil 2 gewertet?
- Treffer im Doppelring (egal welche Zahl): pauschal 50 Punkte
- Fehlwurf: 0 Punkte – es gibt keine Abzüge wie bei Bob’s 27
- Inner Bull (letzter Dart): 100 Punkte (50 Punkte + 50 Punkte Bonus)
- Outer Bull (Single Bull): zählt nicht als Bull-Treffer, gibt 0 Punkte
Das Besondere: Alle Doppel sind gleich viel wert – Double 1 bringt genauso viele Punkte wie Double 20. Das klingt fair, bedeutet aber auch, dass es keine einfachen Punkte gibt. Wer alle 20 Doppel trifft und anschließend das innere Bull, holt sich 20 × 50 + 100 = 1.100 Punkte aus diesem Teil allein.
Beispielrechnung für Teil 2
Spieler A trifft 12 von 20 Doppeln und das innere Bull: 12 × 50 + 100 = 700 Punkte. Das entspricht bereits dem Roten Shirt-Level als Gesamtwertung – zeigt also, wie bedeutend Teil 2 für den Gesamtscore ist.
Teil 3: Shanghai 15–20
Der dritte und letzte Teil der JDC Challenge funktioniert identisch zu Teil 1 – nur auf den Zahlen 15 bis 20. Das ist kein Zufall: Diese Zahlen sind die Hochscoring-Bereiche des Boards, die im echten Matchspiel am häufigsten angesteuert werden. Wer hier konstant Treffer setzt – und im besten Fall Shanghais holt –, sammelt die meisten Punkte.
Besonders interessant: Die Zahl 15 taucht sowohl in Teil 1 als auch in Teil 3 auf. Wer auf der 15 stark ist, kann in beiden Runden davon profitieren.
Maximalscore in Teil 3
| Zahl | S+D+T Summe | + Bonus | Max. Punkte |
|---|---|---|---|
| 15 | 90 | +100 | 190 |
| 16 | 96 | +100 | 196 |
| 17 | 102 | +100 | 202 |
| 18 | 108 | +100 | 208 |
| 19 | 114 | +100 | 214 |
| 20 | 120 | +100 | 220 |
| Gesamt | 1.230 |
Die Shirt-Stufen: So wirst du bewertet
Nach Abschluss aller drei Teile addierst du deine Punkte zu einem Gesamtscore. Dieser Score wird mit dem offiziellen JDC-Bewertungsrahmen verglichen, der sieben Shirt-Stufen umfasst – angelehnt an das Gürtel-System der Kampfsportarten:
| Score | Shirt-Farbe | Einordnung |
|---|---|---|
| 0–149 | Weiß (White) | Einsteiger |
| 150–299 | Lila (Purple) | Anfänger mit Grundkenntnissen |
| 300–449 | Gelb (Yellow) | Fortgeschrittener Einsteiger |
| 450–599 | Grün (Green) | Solider Gelegenheitsspieler |
| 600–699 | Blau (Blue) | Erfahrener Kneipenspieler |
| 700–849 | Rot (Red) | Ligaspieler / Semi-Profi |
| 850+ | Schwarz (Black) | Elite |
Das schwarze Shirt entspricht dem Schwarzen Gürtel im Karate – es markiert die Elite. Wichtig dabei: Ein schwarzes Shirt ist nur dann aussagekräftig, wenn du es regelmäßig und reproduzierbar erreichst. Einmalig die 850 zu knacken ist eine Leistung – sie dauerhaft zu bestätigen ist das eigentliche Ziel.
Der theoretische Maximalscore: 3.380 Punkte
Wer in jedem Besuch ein Shanghai holt und in Teil 2 alle Doppel plus das innere Bull trifft, erreicht den theoretisch maximalen Score von 3.380 Punkten – aufgeteilt in 1.050 Punkte (Teil 1) + 1.100 Punkte (Teil 2) + 1.230 Punkte (Teil 3). Dieser Wert ist in der Praxis unerreichbar und dient nur als rechnerische Obergrenze.
Was die JDC Challenge so effektiv macht
Der größte Vorteil der JDC Challenge liegt in ihrer Ganzheitlichkeit. Viele Trainingsroutinen fokussieren auf genau eine Fähigkeit – Bob’s 27 trainiert Doppel, klassische Highscore-Runden trainieren Triple 20. Die JDC Challenge hingegen testet in einem einzigen Durchgang gleich drei unterschiedliche Fähigkeiten: Scoring in mittleren Zahlen (Teil 1), Doppelgenauigkeit (Teil 2) und Scoring in den hohen, spielentscheidenden Zahlen (Teil 3).
Der Zeitdruck entsteht von innen. Es gibt keine Uhr, keinen Gegner, der Druck macht. Aber der Shanghai-Bonus erzeugt eine eigene Spannung: Wenn du mit deinen ersten beiden Darts bereits Single und Triple der 18 getroffen hast, liegt der dritte Dart mit einem möglichen 100-Punkte-Bonus auf der Linie. Dieses Druckgefühl ist real – und ähnelt dem, was du im echten Match erlebst.
Der Score ist direkt vergleichbar. Da jede JDC-Challenge-Runde exakt denselben Aufbau hat, liefern alle Ergebnisse vergleichbare Datenpunkte. Du siehst über Wochen und Monate hinweg, ob sich dein Level entwickelt – und in welchem Teil du die meisten Punkte liegen lässt.
Profis nehmen es ernst. Die JDC Challenge hat sich auch unter erwachsenen Spielern bis hin zu PDC-Tourcard-Inhabern als Trainingsstandard etabliert. Scores und Vergleiche kursieren in der Dart-Community online, was einen motivierenden Benchmark schafft – egal auf welchem Niveau man spielt.
Strategie: So holst du das Maximum heraus
Jage aktiv den Shanghai-Bonus. Jeder Bonus bringt 100 Punkte – das ist mehr als viele komplette drei-Dart-Besuche ohne Bonus. Wenn du nach zwei Darts bereits zwei der drei benötigten Segmente getroffen hast (zum Beispiel Single und Double), richte deinen dritten Dart bewusst auf das fehlende Triple aus, auch wenn es riskant ist. Der potenzielle Gewinn überwiegt das Risiko deutlich.
Teil 2 ist dein Puffer. In den Shanghai-Runden können schlechte Besuche viel kosten. Teil 2 hat keine Strafen für Fehlwürfe – hier kannst du konsequent Punkte sammeln, ohne Verlust zu riskieren. Behandle jeden der 21 Darts als eigenständigen Wurf: Kurze Pause vor jedem Dart, Fokus reset, dann werfen.
Die 15–20 ist das Herzstück. Teil 3 hat das höchste Punktpotenzial: Allein drei Shanghais auf 18, 19 und 20 bringen 208 + 214 + 220 = 642 Punkte. Wer auf den oberen Zahlen stark ist, kann seinen Gesamtscore mit Teil 3 entscheidend nach oben schieben. Investiere daher die meiste Trainingszeit in die obere Boardhälfte.
Führe eine Score-Tabelle. Notiere nach jeder Runde, welcher Teil wie viele Punkte gebracht hat. Wenn du siehst, dass du in Teil 2 regelmäßig nur 6–8 Doppel triffst, weißt du: Hier liegt dein größtes Wachstumspotenzial. Die JDC Challenge ist nicht nur ein Test – sie ist ein Diagnose-Werkzeug.
Die JDC Challenge mit mehreren Spielern
Obwohl die JDC Challenge primär als Solotraining konzipiert ist, lässt sie sich problemlos mit mehreren Spielern absolvieren. Jeder Spieler spielt seine eigene vollständige Runde der Reihe nach durch und hält seinen Score fest. Am Ende werden die Gesamtscores verglichen – der höchste Score gewinnt den Durchgang.
In JDC-Akademien wird die Challenge auch als Gruppenformat eingesetzt: Alle Spieler spielen gleichzeitig (jeder auf seinem eigenen Board oder abwechselnd) und die Ergebnisse landen auf einer gemeinsamen Rangliste. Das fügt dem eigentlich introspektiven Format einen kompetitiven Reiz hinzu, der die Motivation erheblich steigert.
Für den Kneipenabend bietet sich eine einfache Variante an: Handicap-System. Anfänger starten mit einem Startbonus von z.B. 150 oder 200 Punkten, um das Kräfteverhältnis auszugleichen. So macht die Challenge auf jedem Niveau Spaß und bleibt fair.
Die JDC Challenge digital spielen
Die JDC Challenge ist in mehreren Dart-Apps als fester Spielmodus integriert. Besonders bekannt ist GoDartsPro, die das Format mit automatischer Punkteberechnung, Shanghai-Bonus-Erkennung und persönlichen Statistiken unterstützt. Dort kann man seine Scores auch in öffentliche Rankings eintragen und sich mit Spielern weltweit vergleichen.
Wer die Runde lieber analog spielt, findet das offizielle JDC-Scoresheet als kostenlosen PDF-Download auf der Website der Junior Darts Corporation. Es ist in drei Spalten aufgeteilt – eine pro Teil – mit Feldern für jeden Besuch und eine Summenzeile.
Häufige Fragen zur JDC Challenge
Was bedeutet Shanghai bei der JDC Challenge?
Shanghai bedeutet, dass du mit deinen drei Darts in einem einzigen Besuch das Single-, Double- und Triple-Feld derselben Zielzahl triffst. Gelingt dir das, erhältst du zusätzlich 100 Bonuspunkte auf deinen normalen Nennwert-Score.
Muss ich Shanghai in einer bestimmten Reihenfolge treffen?
Nein. Single, Double und Triple dürfen in beliebiger Reihenfolge mit den drei Darts getroffen werden – wichtig ist nur, dass alle drei in demselben Besuch fallen. T20 → D20 → S20 ist genauso gültig wie S20 → T20 → D20.
Was passiert, wenn ich in Teil 2 das Outer Bull treffe?
Das Outer Bull (Single Bull, 25 Punkte) zählt nicht als gültiger Bull-Treffer in der JDC Challenge. Nur das Inner Bull (Double Bull, 50 Punkte) gibt die 100 Punkte. Ein Outer-Bull-Treffer wird mit 0 Punkten gewertet.
Ist die JDC Challenge auch für absolute Anfänger geeignet?
Ja. Die Challenge wurde ursprünglich für Jugendspieler ab 10 Jahren entwickelt und ist daher von Grund auf für alle Niveaus zugänglich. Anfänger werden am Anfang im White- oder Purple-Bereich landen – das ist völlig normal und der Startpunkt für kontinuierliche Verbesserung. Die Struktur der Challenge zeigt sofort, wo es hapert.
Wie oft sollte man die JDC Challenge spielen?
Als regelmäßige Trainingsroutine empfiehlt sich mindestens eine Runde pro Trainingssession. Mit einer Session pro Woche und konsequenter Score-Dokumentation wirst du deinen Fortschritt gut verfolgen können. Wer intensiver trainiert, kann die Challenge auch mehrmals pro Session wiederholen – je mehr Daten, desto klarer das Bild.
Kann die JDC Challenge an einem E-Dart-Automaten gespielt werden?
Manche E-Dart-Automaten unterstützen die JDC Challenge als vorinstallierten Modus. Ansonsten kann sie manuell gespielt werden: Einfach die drei Teile der Reihe nach werfen und den Score separat notieren. Das Score-Sheet ist dabei hilfreich, um den Überblick zu behalten.
Fazit: Ein Trainingsstandard für alle Niveaus
Die JDC Challenge ist mehr als ein Spielchen für zwischendurch. Sie ist ein durchdachtes Bewertungssystem, das Scoring, Doppelspiel und Präzision in einem einzigen, zeitlich überschaubaren Test bündelt. Das Shanghai-System in den Teilen 1 und 3 sorgt für Spannung und Bonuspotenzial, Teil 2 testet nüchtern die Doppelquote – und der Gesamtscore sagt am Ende klar und vergleichbar, wo du stehst.
Was die JDC Challenge von anderen Trainingsformaten unterscheidet, ist ihre Entwicklungs-Logik: Du weißt nicht nur, wie du gespielt hast, sondern auch, auf welchem Niveau du dich befindest und wohin der Weg als nächstes führt. Das schwarze Shirt wartet – und der Weg dorthin ist messbar.


