Doppelfelder. Wer Dart spielt, weiß, wie entscheidend sie sind – und wie frustrierend es sein kann, wenn sie partout nicht fallen wollen. Kein Checkout ohne Doppel, kein Sieg ohne sicheres Finish. Genau hier setzt Bob’s 27 an: ein Trainingsspiel, das dich auf eine angenehm unangenehme Art zwingt, alle 21 Doppelfelder des Boards ernstzunehmen. Egal, ob du Dart Rock Café-Stammgast bist oder den nächsten Kneipenabend gewinnen willst – dieses Spiel wird dein Doppelspiel nachhaltig verbessern.

Wer steckt hinter Bob’s 27?
Der Name des Spiels ist kein Zufall. Bob Anderson, Weltmeister der BDO 1988 und mit dem Spitznamen „The Limestone Cowboy“ bekannt, entwickelte diese Trainingsroutine, um systematisch an den Doppeln zu arbeiten. Anderson war in seiner aktiven Zeit mehrere Jahre lang die Nummer eins der Weltrangliste und weiß daher genau, worauf es ankommt: Wer nicht zuverlässig auf Doppelfelder trifft, wird auf Dauer keine Matches gewinnen.
Interessantes Randdetail: Bevor Anderson Profi-Darter wurde, war er als Speerwerfer aktiv – er war sogar für die britischen Olympischen Spiele 1968 in Mexiko qualifiziert, brach sich aber kurz vor der Abreise den Arm. So wurde aus einem Speerwerfer einer der berühmtesten Darts-Spieler der Welt.
Das Spiel, das er entwickelte, trägt seinen Namen und die Zahl, mit der jede Runde startet: 27 Punkte.
Das Ziel von Bob’s 27
Ganz einfach formuliert: Du wirfst der Reihe nach auf alle 21 Doppelfelder des Boards – von Double 1 bis Double 20 und abschließend auf das Double Bull – und versuchst dabei, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Für Treffer bekommst du Punkte, für Fehlrunden verlierst du welche. Fällt dein Score auf null oder darunter, ist das Spiel vorbei.
Der psychologische Reiz dabei ist enorm: Du spielst zwar alleine gegen das Board, aber der drohende Punkteverlust – besonders bei den hohen Doppeln wie Double 19 oder Double 20 – erzeugt echten Matchdruck. Genau das macht Bob’s 27 so wertvoll.
Die Grundregeln auf einen Blick
Anzahl Spieler: 1 oder mehr (jeder spielt seinen eigenen Score)
Material: Ein Standard-Dartboard, drei Darts
Startscore: 27 Punkte
Spielreihenfolge der Doppelfelder: Double 1 → Double 2 → … → Double 20 → Double Bull
In jeder Runde werden alle drei Darts auf das aktuell geforderte Doppelfeld geworfen. Danach wird der Score aktualisiert und es geht zum nächsten Doppel weiter. Es gibt keine freie Wahl der Reihenfolge – die Reihenfolge ist immer numerisch aufsteigend.
So wird gewertet
Das Wertungssystem ist einfach, aber mit spürbaren Konsequenzen:
Bei Treffern wird der Wert des getroffenen Doppelfeldes pro Dart addiert:
| Treffer | Formel | Beispiel Double 6 |
|---|---|---|
| 1 Treffer | +1 × Doppelwert | +12 Punkte |
| 2 Treffer | +2 × Doppelwert | +24 Punkte |
| 3 Treffer | +3 × Doppelwert | +36 Punkte |
Bei keinem Treffer (alle drei Darts verfehlen das Doppelfeld) wird der einfache Doppelwert abgezogen:
| Fehlrunde | Formel | Beispiel Double 6 |
|---|---|---|
| 0 Treffer | −1 × Doppelwert | −12 Punkte |
Dabei ist es egal, wie knapp die Darts am Feld vorbeiflogen – zählt nicht, kostet aber trotzdem Punkte.
Der Wert jedes Doppelfeldes im Überblick
| Feld | Wert pro Treffer | Penalty (Fehlrunde) |
|---|---|---|
| Double 1 | 2 | −2 |
| Double 2 | 4 | −4 |
| Double 3 | 6 | −6 |
| Double 4 | 8 | −8 |
| Double 5 | 10 | −10 |
| Double 6 | 12 | −12 |
| Double 7 | 14 | −14 |
| Double 8 | 16 | −16 |
| Double 9 | 18 | −18 |
| Double 10 | 20 | −20 |
| Double 11 | 22 | −22 |
| Double 12 | 24 | −24 |
| Double 13 | 26 | −26 |
| Double 14 | 28 | −28 |
| Double 15 | 30 | −30 |
| Double 16 | 32 | −32 |
| Double 17 | 34 | −34 |
| Double 18 | 36 | −36 |
| Double 19 | 38 | −38 |
| Double 20 | 40 | −40 |
| Double Bull | 50 | −50 |
Spielende und Game Over
Das Spiel endet regulär, sobald alle 21 Doppelfelder gespielt wurden. Es endet aber vorzeitig mit Game Over, wenn der Score auf null oder darunter fällt. Gerade bei fortgeschrittenen Spielern und in Turnieren wird diese Regel konsequent angewendet, um den Fokus zu schärfen.
Für Anfänger empfiehlt es sich, auch nach einem negativen Score weiterzuspielen und alle Felder zu durchlaufen. Das komplette Durchspielen liefert mehr Trainingsdaten und zeigt, welche Doppel wirklich Probleme machen.
Beispielrunde Schritt für Schritt
Hier siehst du, wie ein typischer Beginn eines Spiels aussehen kann:
Startscore: 27 Punkte
- Double 1: 2 von 3 Darts treffen → +4 Punkte → Score: 31
- Double 2: Alle 3 Darts verfehlen → −4 Punkte → Score: 27
- Double 3: 1 Dart trifft → +6 Punkte → Score: 33
- Double 4: 3 Darts treffen → +24 Punkte → Score: 57
- Double 5: Alle 3 Darts verfehlen → −10 Punkte → Score: 47
- Double 6: 1 Dart trifft → +12 Punkte → Score: 59
An diesem Beispiel sieht man gut das typische Auf und Ab: Ein schlechtes Double kann mit dem nächsten guten Ergebnis wieder ausgeglichen werden – bis die hohen Felder kommen und der Druck steigt.
Das Double Bull – der gefährlichste Abschluss
Das Spiel endet mit dem Double Bull (inneres Bullseye, Wert: 50 Punkte). Dieser Abschluss ist aus mehreren Gründen besonders tückisch:
Das Double Bull ist das kleinste Segment des gesamten Boards (Durchmesser ca. 12,7 mm). Gleichzeitig ist es das Feld mit dem höchsten Penalty-Wert: Wer alle drei Darts verfehlt, verliert 50 Punkte auf einen Schlag. Wer zu diesem Zeitpunkt noch einen knappen Score hat, kann damit das Spiel beenden – obwohl er oder sie bis dahin alle anderen Felder erfolgreich bewältigt hatte. Das Bull ist deswegen ein echtes psychologisches Finale.
Wichtig: Nur das innere Bull (Double Bull) zählt für den Score. Das äußere Bull (Single Bull, 25 Punkte) ist kein Treffer im Sinne von Bob’s 27.
Der perfekte Score: 1.437 Punkte
Wer jedes einzelne Doppelfeld in jeder Runde alle drei Darts trifft – dreimal Double 1 bis dreimal Double Bull – kommt auf den maximal möglichen Score von 1.437 Punkten. Diese Zahl ist rechnerisch exakt: Startscore 27 plus die Summe aus je drei Treffern pro Feld von Double 1 bis Double Bull ergibt genau 1.437 Punkte. Selbst Profis erreichen diesen Score in der Praxis so gut wie nie – er ist die ultimative Messlatte für das Doppelspiel.
Orientierungswerte: Was ist ein guter Score?
| Spielerniveau | Score-Bereich |
|---|---|
| Einsteiger (selten gespielt) | 27 – 100 Punkte, oft auch Game Over |
| Gelegenheitsspieler | 100 – 250 Punkte |
| Regelmäßige Kneipenspieler | 250 – 500 Punkte |
| Erfahrene Liga-/Turnierspieler | 500 – 800 Punkte |
| Profis und Topklasse | 800 – 1.437 Punkte |
Der Reiz des Spiels liegt darin, dass diese Zahlen direkt vergleichbar sind – mit sich selbst über Wochen hinweg und mit Mitspielern.
Warum Bob’s 27 so effektiv ist
Viele Trainingsspiele konzentrieren sich auf das Erzielen hoher Scores. Bob’s 27 macht genau das Gegenteil: Es zwingt dich, jedes einzelne Doppelfeld zu werfen, ob du es magst oder nicht.
Du findest deine schwachen Doppel. Doppel, die du im Match gerne vermeidest – Double 3, Double 11, Double 17 – musst du hier zwingend werfen. Schwächen werden schonungslos sichtbar.
Du trainierst unter Druck. Ein verfehltes Doppel bei hohen Zahlen kostet richtig viel – das erzeugt dieselbe Nervosität wie ein Checkout im echten Match.
Der Fortschritt ist messbar. Weil jede Runde denselben strukturierten Ablauf hat, sind deine Scores direkt miteinander vergleichbar. Kein anderes Übungsspiel liefert so klare Fortschrittsdaten.
Es ist ehrlich. Singles oder Triples auf dieselbe Zahl bringen nichts. Nur das Doppelfeld zählt – wie beim echten Checkout.
Varianten und Hausregeln
Bob’s 27 lässt sich einfach an das eigene Niveau oder den Trainingskontext anpassen:
Niedrigerer Startscore: Statt mit 27 zu starten, beginnen fortgeschrittene Spieler mit nur 10 oder 15 Punkten. Dadurch ist man viel schneller im Game-Over-Bereich und der Druck steigt erheblich.
Kein Game Over: Besonders für Anfänger empfehlenswert – man spielt alle 21 Felder durch, auch wenn der Score unter null fällt. Das macht die Trainingseinheit vollständiger und liefert Daten zu allen Feldern.
Gezielte Feldauswahl: Wer spezifische Doppel trainieren will – zum Beispiel die typischen Checkout-Felder Double 16, Double 8, Double 20 und Double Bull – spielt nur diese und überspringt den Rest.
Mehrspieler-Modus: Jeder Spieler spielt seine eigene Bob’s-27-Runde durch, die Scores werden am Ende verglichen. Der höchste Score gewinnt. Alternativ: Der Spieler, der am längsten im Spiel bleibt, gewinnt eine Runde.
Alternative Bull-Regel: In manchen Hausregeln zählt auch das einfache Bull (25 Punkte) als Treffer. Die klassische und offizielle Regel zählt jedoch nur das Double Bull.
Häufige Fragen zu Bob’s 27
Warum startet das Spiel bei genau 27 Punkten?
Der Startwert von 27 Punkten ist bewusst gewählt: Er gibt genug Puffer, um frühe Fehlrunden bei kleinen Doppeln (wo der Penalty-Wert noch gering ist) zu überstehen, ohne sofort Game Over zu sein. Gleichzeitig ist man nicht so weit im Plus, dass man bei den hohen Feldern viele Fehlrunden risikolos überleben kann. 27 ist also eine gute Balance zwischen Puffer und Druck.
Zählen Single- oder Triple-Treffer auf dieselbe Zahl?
Nein. Für den Score zählen ausschließlich Treffer im Doppelfeld. Ein Triple 5 in der Double-5-Runde bringt keine Punkte – und zählt auch nicht als Treffer.
Was passiert, wenn ein Dart auf der Grenze zwischen Double und Single landet?
Das liegt im Ermessen des Spielers oder der Mitspieler. Im Training gilt in der Regel: Nur was eindeutig im Doppelfeld steckt, zählt. Im Zweifelsfall: nicht zählen.
Ist Bob’s 27 für Anfänger sinnvoll?
Ja, aber mit Anpassung. Für absolute Einsteiger empfiehlt es sich, die Game-Over-Regel wegzulassen und einfach alle Felder durchzuspielen. Der Fokus liegt dann nicht auf dem Endscore, sondern auf dem ersten Kontakt mit allen Doppelfeldern des Boards.
Kann ich Bob’s 27 auch an einem E-Dart-Automaten spielen?
Einige E-Dart-Automaten haben Bob’s 27 als vorinstallierten Spielmodus. Ansonsten kannst du das Spiel auch manuell an einem Automaten spielen – du wirfst einfach der Reihe nach auf die Doppelfelder und notierst deinen Score separat.
Fazit: Bob’s 27 gehört ins Trainingsprogramm
Bob’s 27 ist auf den ersten Blick simpel – du wirfst der Reihe nach auf Doppelfelder. Aber wer es einmal gespielt hat, merkt schnell: Es ist alles andere als einfach. Die Kombination aus klarer Struktur, messbarem Fortschritt und echtem Druckgefühl macht dieses Spiel zu einem der besten Trainingstools, die die Dartwelt kennt. Kein Wunder, dass eine Trainingsroutine eines Weltmeisters seit Jahrzehnten so populär geblieben ist.
Wer regelmäßig spielt und seine Scores dokumentiert, wird nach wenigen Wochen sehr genau wissen, welche Doppel er blind trifft – und welche noch Arbeit kosten. Und genau das ist der erste Schritt zu besseren Checkouts im echten Spiel.
Also: Hol die Darts raus, schreib eine Scorecard, und fang bei Double 1 an. Das Board wartet.


