Betablocker gegen Zittern, THC zum Entspannen, Stimulanzien für die Konzentration – der Dartsport ist anfälliger für Doping als viele denken. Wir klären auf, welche Substanzen verboten sind, warum gerade diese im Dart eine Rolle spielen und was bei den großen Verbänden PDC und WDF wirklich gilt.

Hat Dart ein Doping Problem?

1. Hat Dart überhaupt ein Dopingproblem?

Darts und Doping – für viele klingt das absurd. Das Bild des Kneipenabends mit Bier und Dart sitzt tief, und im Vergleich zu Radsport oder Leichtathletik erscheint der Gedanke an dopende Pfeilwerfer zunächst fast skurril. Doch wer sich etwas genauer mit dem Sport beschäftigt, erkennt schnell: Doping ist im Dartsport ein ernstes und unterschätztes Thema.

Darts ist kein reiner Kraftsport – aber er ist ein Präzisionssport auf höchstem Niveau. Wer bei der Weltmeisterschaft im Alexandra Palace auf die Bühne tritt, steht unter enormem psychologischem Druck. Ein zitternder Arm, eine leicht zuckende Hand, ein kurzer Konzentrationsverlust – und Triple-20 wird zum Single-5. Genau hier setzt Doping an.

Im Dartsport gibt es genügend Substanzen, die zu einer Leistungssteigerung führen können – insbesondere bei Konzentration und Nervenstabilität.

Es geht im Dart weniger um Muskelkraft als um zwei Dinge: Konzentration und Nervenstabilität. Beide lassen sich pharmakologisch beeinflussen. Und genau deshalb haben die großen Verbände reagiert und strikte Anti-Doping-Regeln eingeführt – auch wenn das Thema in der breiten Öffentlichkeit noch wenig Aufmerksamkeit bekommt.

2. Das Regelwerk: Wer legt fest, was verboten ist?

Im internationalen Sport gibt es eine zentrale Instanz in Sachen Doping: die World Anti-Doping Agency (WADA). Sie veröffentlicht jährlich die sogenannte Verbotsliste (Prohibited List), die alle verbotenen Substanzen und Methoden auflistet. Diese Liste ist der globale Standard – und sie gilt auch im Dart.

Sowohl die WDF (World Darts Federation) als auch die PDC (Professional Darts Corporation) richten sich nach diesem Standard. Der entscheidende Unterschied liegt allerdings in der Art der Einbindung:

✔  WDF – Direkte WADA-Bindung Die World Darts Federation ist dem WADA-Code vollständig verpflichtet und setzt ihn direkt um. Als Weltverband, der auch beim internationalen olympischen Sport eine Rolle spielt, ist die Einbindung in die globalen Anti-Doping-Strukturen fest verankert.
◎  PDC – Eigene Struktur, gleicher Anspruch Die PDC als privatrechtlich organisierter Profi-Verband ist nicht direkt an den WADA-Code gebunden. Sie hat jedoch eine eigene Antidoping-Behörde – die Darts Regulation Authority (DRA) – gegründet, die inhaltlich ebenfalls an der WADA-Verbotsliste orientiert ist und aktiv Dopingkontrollen durchführt.

Für die Spieler bedeutet das in der Praxis: Egal ob WDF- oder PDC-Turnier – die Verbotsliste ist weitgehend dieselbe.

3. PDC und die Darts Regulation Authority (DRA)

Die Professional Darts Corporation ist der mächtigste und bekannteste Dartverband weltweit. Mit der Gründung der DRA (Darts Regulation Authority) hat die PDC eine unabhängige Regulierungsbehörde geschaffen, die unter anderem für Anti-Doping-Kontrollen zuständig ist.

Die DRA führt Dopingtests durch – sowohl bei Turnieren als auch außerhalb des Wettkampfs – und ahndet Verstöße. Sie orientiert sich bei ihrer Verbotsliste am WADA-Standard. Für registrierte Spieler gilt zudem eine sogenannte Whereabouts-Pflicht – sie müssen ihren Aufenthaltsort angeben, damit auch unangekündigte Kontrollen außerhalb von Turnieren möglich sind.

📋  Wie laufen PDC-Dopingkontrollen ab? Kontrollen finden bei großen Turnieren nach bestimmten Spielen statt – oft zufällig ausgewählt oder bei Finalisten. Spieler können per Urin- oder Bluttest untersucht werden. Bei einem positiven Befund wird der Spieler sofort suspendiert, bis der Fall geklärt ist. Die DRA kommuniziert Dopingfälle in der Regel knapp und nennt selten die genaue Substanz öffentlich.

4. WDF: Der olympische Weg und die WADA

Die World Darts Federation ist der internationale Dachverband des Dartsports und vereint nationale Verbände aus aller Welt – darunter den deutschen DDV (Deutscher Dart-Verband). Die WDF hat sich dem olympischen Ideal verschrieben und erkennt den World Anti-Doping Code (WADC) vollständig an.

Dopingkontrollen bei WDF-Turnieren werden von der WDF selbst, der WADA oder nationalen Anti-Doping-Organisationen (in Deutschland: der NADA) durchgeführt. Spieler werden mindestens einmal jährlich getestet, Profis bei großen Turnieren sogar vier bis fünf Mal pro Jahr.

✔  WDF-Dopingkontrollen – Häufigkeit & Ablauf Mindestens 1× pro Jahr für registrierte Spieler, bis zu 4–5× pro Jahr für Profis bei großen Turnieren. Tests werden bei Wettkämpfen, beim Training und unangekündigt außerhalb von Turnieren durchgeführt. Alle Tests folgen dem Internationalen Standard für Dopingkontrollen und -tests (ISTI).

5. Die verbotenen Substanzen im Detail

Die WADA-Verbotsliste wird jährlich aktualisiert und umfasst mehrere Kategorien. Für den Dartsport sind einige Klassen besonders relevant. Hier ein vollständiger Überblick:

Zu jeder Zeit verbotene Substanzen (innerhalb & außerhalb des Wettkampfs)

KlasseSubstanzgruppeBeispieleRelevanz
S0Nicht zugelassene SubstanzenDesignerdrogen, BPC-157, experimentelle WirkstoffeMITTEL
S1Anabole SubstanzenSteroide, SARMs (S-23, YK-11), TestosteronGERING
S2Peptidhormone & WachstumsfaktorenEPO, HGH, IGF-1GERING
S4Hormon- & StoffwechselmodulatorenMyostatin-Hemmer, TamoxifenGERING
S5Diuretika & MaskierungsmittelFurosemid, HydrochlorothiazidGERING
S8CannabinoideTHC (Cannabis), Haschisch, synthetische CannabinoideHOCH
S6Stimulanzien (Suchtmittel)Kokain, MDMA/Ecstasy, HeroinHOCH

Nur im Wettkampf verbotene Substanzen

KlasseGruppeBeispieleWarum relevant
P1BetablockerAtenolol, Bisoprolol, Propranolol, Metoprolol, Labetalol, Carvedilol …Herzraten-/Zitterdämpfung – direkte Leistungssteigerung im Dart
S7Narkotika (im Wettkampf)Morphin, Oxycodon, TramadolSchmerzunterdrückung, Konzentrationsbeeinflussung
S6 (teilw.)Stimulanzien spezifischEphedrin, Methylhexanamin, PseudoephedrinKonzentrationssteigernde Wirkung

6. Warum Betablocker die entscheidende Kategorie sind

Wenn es eine Substanzklasse gibt, die im Dartsport besonders interessant – und gefährlich – ist, dann sind es Betablocker. Sie blockieren die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin am Herzen: ruhigerer Puls, weniger Zittern, gedämpfte körperliche Stressreaktionen.

Ein Betablocker macht den Arm ruhig, wenn der Puls in die Höhe schiesst – genau das, was ein Dartspieler in entscheidenden Momenten braucht.

Für einen Dartspieler klingt das wie ein Traum: In einem entscheidenden Leg auf Doppel-Bull bleibt der Arm stabil. Das Zittern, das viele Spieler in Hochdrucksituationen plagt, wird unterdrückt. Das Ergebnis kann ein deutlicher Leistungsvorsprung gegenüber dem Gegner sein.

🚫  Verbotene Betablocker im Wettkampf (Auswahl) Acebutolol · Alprenolol · Atenolol · Betaxolol · Bisoprolol · Bunolol · Carteolol · Carvedilol · Celiprolol · Esmolol · Labetalol · Metipranolol · Metoprolol · Nadolol · Oxprenolol · Pindolol · Propranolol · Sotalol · Timolol  Diese Wirkstoffe finden sich in gängigen Herzmedikamenten. Ein Spieler, der aus medizinischen Gründen Betablocker benötigt, muss eine Therapeutische Ausnahmegenehmigung (TUE) beantragen.

7. Sonderfall Alkohol – verboten oder nicht?

Die klare Antwort: Alkohol steht auf keiner Anti-Doping-Liste im Dartsport. Weder die WADA noch die WDF noch die PDC verbieten Alkohol als Dopingmittel. Alkohol ist in manchen anderen Sportarten (z. B. Bogenschießen, Motorsport) auf der WADA-Liste, nicht aber im Dart.

⚠  PDC-Regelung zu Alkohol auf der Bühne Die PDC hat eine eigene Verhaltensregel eingeführt: Auf der Bühne darf kein Alkohol konsumiert werden. Spieler dürfen ausschließlich stilles Wasser mit auf die Bühne nehmen. Was die Spieler vor dem Match trinken, liegt in ihrer eigenen Entscheidung – dafür gibt es keinen Dopingtest. Diese Regelung dient primär dem Image des Sports, nicht dem Dopingrecht.

8. Bekannte Dopingfälle im Dartsport

Dopingfälle sind im Dartsport selten – aber nicht inexistent. Hier sind die bekanntesten Vorfälle der jüngeren Geschichte:

Spieler/EreignisJahrBeschreibung
Co StompéFrühe 2010erNiederländischer Profi, positiv auf THC getestet, von Turnier ausgeschlossen.
Robbie Green2010erAustralischer Dartprofi, ebenfalls positiv auf THC, Turnierausschluss.
German Masters Finale2017Beide Finalisten positiv getestet, führte zur neuen DDV Anti-Doping-Ordnung.
Dom Taylor2024 / 2026Zwei Dopingfälle. 2024 Sperre auf 1 Monat reduziert (außerhalb Wettkampf). WM 2026 erneut suspendiert. Substanz nie öffentlich.

Das Muster der Dopingfälle im Dart zeigt: Am häufigsten geht es um Cannabinoide (THC) und unbekannte Substanzen. Betablocker tauchen in der Öffentlichkeit kaum als positive Befunde auf – ob das an ihrer selteneren Verwendung liegt oder an anderen Faktoren, ist schwer zu sagen.

9. Häufige Fragen zum Thema Doping im Dart

Werden alle PDC-Profis regelmäßig getestet? Ja. Die DRA führt sowohl Wettkampfkontrollen als auch unangekündigte Kontrollen außerhalb von Turnieren durch. Registrierte Top-Spieler unterliegen einer Meldepflicht für ihren Aufenthaltsort.
Ist Koffein im Dart verboten? Nein. Koffein wurde von der WADA 2004 von der Verbotsliste gestrichen. Es steht jedoch auf der Beobachtungsliste. Kaffee, Energy Drinks und koffeinhaltige Präparate sind im Wettkampf erlaubt.
Was passiert bei einem positiven Dopingtest im Dart? Bei einem erstmaligen Verstoß drohen in der Regel bis zu zwei Jahre Sperre. Erschwerend wirkt, wenn die Substanz im Wettkampf eingenommen wurde. Mildernd kann gewertet werden, wenn der Spieler nachweist, dass er das Mittel außerhalb des Wettkampfs eingenommen hat – wie im Fall Dom Taylor 2024.
Darf ich als Freizeitspieler in der Vereinsliga Betablocker nehmen? Im Freizeitbereich ohne offizielle Kontrollen gibt es keine praktische Konsequenz. Sobald ein Verein jedoch dem DDV oder der WDF angeschlossen ist und offizielle Verbandsturniere bestreitet, gelten formal die Anti-Doping-Regeln.
Sind Beruhigungsmittel wie Baldrian verboten? Natürliche Beruhigungsmittel wie Baldrian, Passionsblume oder Lavendel stehen nicht auf der WADA-Verbotsliste. Anders sieht es bei verschreibungspflichtigen Benzodiazepinen (z. B. Diazepam/Valium) aus – diese können je nach Situation unter die Verbotsliste fallen.
Gilt das WDF-Regelwerk auch für den deutschen DDV? Ja. Der Deutsche Dart-Verband (DDV) ist der WDF angeschlossen und hat die WADA-Regularien vollständig in seine eigene Anti-Doping-Ordnung übernommen. Die NADA ist als nationale Anti-Doping-Agentur eingebunden. Seit dem Dopingfall bei den German Masters 2017 wird die ADO besonders konsequent umgesetzt.
Warum ist Cannabis im Wettkampf verboten, wenn es außerhalb legal sein kann? Die WADA-Klassifizierung basiert auf drei Kriterien: leistungssteigerndes Potenzial, gesundheitliches Risiko und Verletzung des Sportgeistes. THC gilt im Wettkampf als potenzial leistungsbeeinflussend (entspannende, angstlösende Wirkung) und ist daher verboten – unabhängig davon, ob Cannabis im jeweiligen Land legal ist.

10. TUE beantragen: So erhalten Dartspieler eine Therapeutische Ausnahmegenehmigung

Wer aus medizinischen Gründen eine verbotene Substanz benötigt – zum Beispiel Betablocker bei Herzerkrankungen –, kann eine Therapeutische Ausnahmegenehmigung (TUE) beantragen. Ohne gültige TUE ist auch ein ärztlich verordneter positiver Befund ein offizieller Regelverstoß.

  1. Ärztliche Diagnose dokumentieren: Der Arzt stellt eine schriftliche Diagnose aus und begründet, warum keine WADA-konforme Alternative verfügbar ist.
  2. TUE-Formular besorgen: PDC-Spieler wenden sich an die DRA, WDF-Spieler in Deutschland an die NADA (nada.de). Die Formulare stehen auf den jeweiligen Websites bereit.
  3. Vollständige Unterlagen einreichen: Formular, Arztbericht, aktuelle Befunde und – bei Dauermedikation – den bisherigen Behandlungsverlauf zusammenstellen.
  4. Frist einhalten: Antrag mindestens 30 Tage vor dem geplanten Wettkampf stellen. In Notfällen ist eine rückwirkende Genehmigung (Retroactive TUE) unter Auflagen möglich.
  5. TUE-Zertifikat bei Kontrollen vorlegen: Das genehmigte Zertifikat bei jedem Test bereithalten und das Ablaufdatum im Blick behalten – rechtzeitig verlängern.

11. Fazit

Fazit: Doping im Dart ist kein Randthema mehr Doping im Dartsport ist kein theoretisches Problem – es ist Realität. Die Substanzen, die im Dart eine Rolle spielen, sind andere als im Ausdauersport oder Kraftsport: Es geht nicht um Muskeln oder Ausdauer, sondern um Nerven, Präzision und Konzentration. Betablocker sind dabei die kritischste Substanzklasse: legal in der Medizin, gezielt nervenberuhigend – und im Wettkampf ausdrücklich verboten. THC ist die häufigste Ursache für positive Tests. Stimulanzien und Suchtmittel wie Kokain oder MDMA komplettieren die relevanten Kategorien. Sowohl PDC als auch WDF nehmen das Thema inzwischen ernst. Mit der Darts Regulation Authority (DRA) hat die PDC eine eigene Kontrollbehörde geschaffen. Die WDF setzt den WADA-Code vollständig um. Der DDV hat nach dem Skandal von 2017 seine Anti-Doping-Ordnung verschärft. Als Hobbyspieler in der Kneipe muss man sich damit kaum beschäftigen. Wer aber auf Vereinsebene bei DDV-Turnieren antritt, sollte die Regeln kennen – besonders wenn man aus medizinischen Gründen regelmäßig Medikamente nimmt. Im Zweifel gilt: vor dem Turnier bei der NADA oder dem DDV nachfragen.

Häufige Fragen zu Doping im Dartsport

Wird im Dartsport wirklich gedopt?

Ja – es gibt dokumentierte Fälle. Betablocker und Cannabis gehören zu den am häufigsten nachgewiesenen Substanzen. PDC und WDF haben Suspendierungen ausgesprochen; die genaue Substanz wird dabei selten öffentlich kommuniziert.

Ist Alkohol im Dartsport verboten?

Nein – Alkohol steht bei keinem der relevanten Verbände auf der Verbotsliste. Die PDC verbietet jedoch den Konsum auf der Bühne: Spieler dürfen dort ausschließlich stilles Wasser trinken.

Gelten die Anti-Doping-Regeln auch für Freizeitspieler?

Nein. WADA-Verbotsliste sowie die Regeln von PDC und WDF gelten ausschließlich für registrierte Wettkampfspieler. Hobbyisten unterliegen keinerlei Dopingkontrollen.